Keine weiteren Kürzungen bei Kunst und Kultur!
Budgetverhandlungen 2027–2028: Freie Kulturarbeit braucht Planungssicherheit statt Kürzungen von historischem Ausmaß
(Pressemitteilung des Kulturrat Österreich vom 27.4.2026)
Jeder Euro, der in Kunst- und Kulturarbeit investiert wird, stärkt gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Teilhabe, Beschäftigung, Standortattraktivität und regionale Wertschöpfung. Kürzungen in diesem Bereich würden daher nicht nur kulturelle Angebote schwächen, sondern genau jene Strukturen unter Druck setzen, die diese Effekte in der regionalen Breite durch ihre Arbeit ermöglichen.
Im Rahmen der laufenden Budgetverhandlungen steht für die Untergliederung 32 (Kunst und Kultur) ein Kürzungsvolumen von mehr als 60 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren im Raum. Gleichzeitig deuten die Vorschläge aus dem Umfeld der Fördertaskforce auf eine grundlegende Neuordnung staatlicher Förderlogiken hin. Besonders problematisch wären Kriterien, nach denen Förderungen künftig nur mehr als Anschubfinanzierung verstanden oder nur durch eine einzige Gebietskörperschaft vergeben werden sollen.
Gemeinsame Verantwortung durch Co-Finanzierung muss möglich bleiben
Gerade im Kunst- und Kulturbereich würde das an der Realität vorbeigehen. Kulturfinanzierung ist in Österreich auf Ko-Finanzierung aufgebaut: Gemeinden, Länder und Bund tragen gemeinsam Verantwortung. Fällt eine Ebene weg, geraten gesamte Finanzierungsstrukturen ins Wanken. Auch der Ansatz, Kunst- und Kulturförderung auf reine Anschubfinanzierung zu reduzieren, widerspricht den tatsächlichen Erfordernissen kontinuierlicher kultureller Arbeit ebenso wie dem gesetzlichen Auftrag der Kunstförderung.
Zugleich stehen mögliche Kürzungen im Widerspruch zu zentralen kulturpolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung. Faire Bezahlung, bessere soziale Absicherung, kulturelle Teilhabe, die Stärkung regionaler Infrastruktur und niederschwellige Angebote sind nur mit verlässlicher Finanzierung erreichbar.
Insbesondere die laufende Arbeit im Rahmen der Interministeriellen Arbeitsgruppe zu fairer Bezahlung, Verbesserung der sozialen Absicherung und Gleichstellung im Kunst- und Kulturbereich braucht budgetäre Absicherung, wenn daraus wirksame Maßnahmen entstehen sollen. Andernfalls droht ein weiterer Zyklus gut klingender Vorhaben ohne reale Umsetzbarkeit.
Bislang sind keine budgetneutralen gesetzlichen Maßnahmen erkennbar, die diese Ziele in vergleichbarer Weise absichern könnten – im Gegenteil. Mit dem bereits beschlossenen AMS-Zuverdienstverbot wurde die soziale Lage von in Kunst und Kultur Tätigen bereits massiv verschlechtert – im Widerspruch zum Vorhaben im Regierungsprogramm.
Kulturelle Nahversorgung und gesellschaftliche Teilhaben sicherstellen
Besonders betroffen wäre wie stets die freie Szene. Dort gibt es kaum Rücklagen, die zusätzliche Belastungen abfedern könnten. Weitere Einschnitte würden sich unmittelbar auf Arbeitsmöglichkeiten, Programmangebote, Planungssicherheit und Zugänglichkeit auswirken. Steigende Eigenfinanzierungsanforderungen oder höhere Ticketpreise würden den Zugang zu Kunst und Kultur zusätzlich erschweren.
Es braucht deshalb eine klare politische Entscheidung, Kunst und Kultur sowie die kulturelle und soziale Daseinsvorsorge abzusichern und sie von Förderlogiken auszunehmen, die ihren Aufgaben, Strukturen und gesetzlichen Grundlagen nicht entsprechen. Die Budgetverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Umso dringlicher ist es, jetzt jene Weichen zu stellen, die kulturelle Infrastruktur, faire Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe tatsächlich absichern.
Regierungsprogramm abarbeiten, nicht konterkarieren
Wir appellieren an die Regierung, in den laufenden Budgetverhandlungen keine weiteren Kürzungen bei Kunst und Kultur vorzunehmen. Notwendig sind verlässliche Förderstrukturen, realistische Förderbedingungen und eine Finanzierung, die kulturelle Infrastruktur, faire Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Teilhabe absichert – wie im Regierungsprogramm verankert.
Keine weiteren Kürzungen in Kunst und Kultur, in der kulturellen wie sozialen Daseinsvorsorge!
Weitere Links beim KULTURRAT ÖSTERREICH